»Natürlich vermisse ich die Sonne« – Stephen Davies im Gespräch

02.08.2016

Sein neuester Jugendroman »Blood & Ink – Die Bücher von Timbuktu« erzählt von einer Liebe zwischen den Fronten und lässt den Leser tief in den Alltag in Mali eintauchen. Der britische Autor Stephen Davies hat lange Zeit in Westafrika gelebt. Hier erzählt er, wie ihn die Zeit geprägt hat und von den Besonderheiten, die Timbuktu als Schauplatz für ein Jugendbuch mit sich bringt.

In »Blood & Ink – Die Bücher von Timbuktu« erzählst du zum einen von den politischen Spannungen in Mali im Jahr 2012, zum anderen von einer Liebesgeschichte. Welche Herausforderung stellt diese Mischung an ein Jugendbuch?
Mein Leitmotiv war immer Romeo und Julia: Liebe in schwierigen Zeiten. In diesem Sinn war es keine allzu große Herausforderung, den romantischen mit dem spannenden Aspekt des Buches zu verknüpfen. Die fachlichen Schwierigkeiten ergaben sich fast alle im Zusammenhang mit der Protagonistin und dem Versuch, sich in die Lage eines fünfzehnjährigen muslimischen Mädchens aus Mali hineinzuversetzen. Das forderte viel Einfühlungsvermögen und interkulturelles Verständnis. Ich glaube kaum, dass ich dieses Buch nach nur fünf oder zehn Jahren in Westafrika hätte schreiben können.

Was macht die Stadt Timbuktu als Kulisse für einen Roman besonders?
Timbuktu im Jahr 2012 glich einem Schmelztiegel, in dem der Islam selbst auf die Probe gestellt wurde. Einem alten Sprichwort zufolge führen sieben Tore nach Timbuktu — Toleranz, Ehre, Würde, Großmut, Gastfreundschaft, Aufrichtigkeit und Gerechtigkeit. Diese Werte werden inzwischen mehr und mehr bedroht. Timbuktu war in diesem Jahr ein Mikrokosmos des Ringens um die Seele des Islam in Afrika, Europa und anderswo.

Du hast über 13 Jahre in Westafrika gelebt, seit 2014 lebst du mit deiner Familie wieder in Großbritannien. Gibt es Dinge, die du aus der Zeit in Afrika vermisst?
Ich vermisse die Silhouetten der Hirten und der Zebukühe, die bei Sonnenaufgang hinunter zur Tränke am See ziehen. Ich vermisse die morgendliche Begrüßung meiner Nachbarn mit Handschlag und Klatsch. Ich vermisse es, mit meinem Motorrad über Sanddünen zu fahren. Ich vermisse den langsameren Lebensrhythmus, auf Hirsestängelmatten zu sitzen bei ausgedehntem Teeplausch. Es war ein großartiger Ort, um sich Geschichten auszudenken. Und natürlich vermisse ich die Sonne.

»Blood & Ink – Die Bücher von Timbuktu« ist nun überall im Handel erhältlich. Stephen Davies wird am 21. September 2016 auf dem Harbour Front Festival in Hamburg zu Gast sein.